— von Hamit Duran, Turgi —
Fünf vom Krieg traumatisierte Jugendliche aus Tschetschenien erleben – gleichsam als Auszeit – die Schweiz. Elisabeth Gusdek Petersen zeichnet ihre Lebensgeschichte in fünf einfühlsamen Porträts auf.
Kheda Ibragimove, Letscha Bisultanov, Selita Murzaeva, Tamirlan Soltagireev und Zulikhan Asuskhanova, so heissen die fünf Jugendlichen die zwischen 2002 und 2005 in die Schweiz geholt werden, um sich einerseits von den Strapazen des zweiten Tschetschenien-Krieges zu erholen und andererseits eine Ausbildung in der Schweiz absolvieren zu können, Sprachen zu lernen und eine neue Perspektive aufzubauen. Die Initiative kam von der Autorin, die über Jahre die russische Kaukasusrepublik besucht hat und das Land dadurch ziemlich gut kennt.
In einfacher, zuweilen sogar sehr einfacher Sprache schildert Gusdek Petersen, ihres Zeichens Präsidentin des Forums für Zeitzeugen in Zürich, die Erlebnisse dieser jungen Menschen. Morde, Verfolgungen, Säuberungen, Flucht und Vertreibung haben sie in Tschetschenien schwer gezeichnet. In ihrer Heimat hatten die drei Frauen und zwei Männer schwerste körperliche und seelische Verletzungen erlitten, Angehörige verloren, Entwurzelung erfahren. Gusdek Petersen holte die Jugendlichen in die Schweiz und unterstützte sie bei der Auseinandersetzung mit der fremden Kultur. Nicht immer ein leichtes Unterfangen.
Da ist z.B. Kheda, deren Schule in Kirova im Jahre 1996 bei einem Bombardement vollständig zerstört wurde. Eine kleine Fabrik wurde kurze Zeit später in eine einfache Schule umgewandelt, welche Gusdek Petersen im Jahre 2002 zum ersten Mal besuchte und wo sie Kheda kennen lernte. Im Jahre 2005 holte sie Kheda dann in die Schweiz, um in Ramsen im Kanton Schaffhausen bei einer Gastfamilie zu leben. Vieles war ungewohnt: die pünktlich fahrenden Busse, die wenigen Menschen vor den Häusern, der lockere Umgang zwischen den Geschlechtern oder das komische und reichliche Essen. In Schaffhausen besuchte sie die Kantonsschule, um danach als Muslimin im katholischen Kloster Fahr eine Bäuerinnenschule zu absolvieren. Im Jahre 2007 kehrte sie dann wieder nach Tschetschenien zurück, da ihre Eltern sie drängten zu heiraten. Es sollte sich zeigen, dass die Ausbildung ihr hilfreich sein würde.
Oder Tamirlan, der auf einer Zugfahrt in Tschetschenien lernt, dass es auch russische Soldaten gibt, die gezwungen werden, in den Krieg zu ziehen, der für sie genauso ein Übel ist. Im Jahre 2003 kommt Tamirlan dann zusammen mit Selita in die Schweiz und wird bei Gasteltern auf dem Bötzberg im Kanton Aargau untergebracht. Mit dem Eintritt in die Alter Kantonsschule in Aarau brach eine harte Zeit für ihn an. Neben der Sprache und dem Schulstoff waren da so ungewohnte Dinge wie Fahrpläne, Verkehrsregeln, Pünktlichkeit oder die Tatsache, dass Schweizer keine unangemeldeten Besuche machen. Der Versuch, ein Studium als Bauingenieur an der Fachhochschule Winterthur zu absolvieren musste leider relativ bald wieder abgebrochen werden. Stattdessen konnte Tamirlan die Schweizerische Bauschule in Aarau beginnen, die er in der Zwischenzeit wohl abgeschlossen haben dürfte.
Schliesslich ist da noch Zulikhan, deren rechter Arm im Jahre 1999 bei einem Raketenangriff auf einen Markt in Grosny so schwer verletzt wurde, dass er amputiert werden musste. Die Autorin setzte sich dafür ein, dass die 20’000 Franken, die eine Armprothese kostet, beschafft werden konnten, so dass Zulikhan im Jahre 2005 über eine «neue Hand», wie sie es nannte, verfügen konnte. Nach dem Besuch der Alten Kantonsschule Aarau liess sie sich an der Fachhochschule in Aarau zur Lehrerin ausbilden, obwohl dieser Beruf in Tschetschenien nicht sehr angesehen ist und die meisten Lehrerinnen und Lehrer daher wahre Idealisten sein müssen. Seit November 2007 ist Zelikhan wieder zurück in Kirova und unterrichtet mit grossem Enthusiasmus Kinder in der englischen Sprache. In einem Interview sagte sie einmal, dass die Schweiz zwar ein schönes Land sei, dass das Herz aber nie zur Ruhe käme und sich nicht durch die Schönheiten verführen liesse. Damit brachte sie auf ihre Art zum Ausdruck, dass sie ihre Heimat und ihre Familie sehr vermisste.
Das Buch gibt einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt dieser fünf tschetschenischen Jugendlichen. Es ist sehr interessant und bedrückend zugleich zu erfahren, was sie in ihrer Heimat beschäftigt und wie sie zum Teil sehr unterschiedlich auf die Herausforderungen des Krieges aber auch auf jene der Schweizer Gesellschaft, die für sie völlig fremd war, reagierten. Hinzu kommt, dass sie zu sehr vielen Vortragsveranstaltungen eingeladen wurden, um über ihr Leben zu berichten. Das ist nicht immer einfach.
Andererseits ist es auch aufschlussreich, dass die Autorin, die sich enorm für diese Jugendlichen einsetzt, immer wieder Mühe bekundet mit der Tatsache, dass es auch heute noch Jugendliche gibt, die nicht sofort dem Einfluss der westlichen Welt verfallen und versuchen, ihre eigenen Werte und Prinzipien aufrecht zu erhalten. In diesem Sinne ähneln diese Erfahrungen denen, die all jene machen, die hier mit einem anderen kulturellen oder religiösen Hintergrund als Teil der Gesellschaft leben.
Über die Autorin
Elisabeth Gusdek Petersen ist Juristin und Präsidentin des Forums für Zeitzeugen in Zürich. Die Verfechterin der Menschenrechte engagiert sich seit vielen Jahren für die Opfer des Tschetschenienkrieges. Sie lebt in Zürich.
Bibliografie
Elisabeth Gusdek Petersen. Grosny–Zürich und zurück: Porträts von fünf Jugendlichen aus Tschetschenien, Orell Füssli Verlag, Zürich 2009, 192 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-280-06105-3, Fr. 39.90 / € 24.90
— von Maria und Samira El-Ghoubashy, Feldkirch (A) —
In seinem in 1934 erstmals erschienen Buch befasst sich Muhammad Asad mit dem Zerfall der islamischen Gesellschaft, wie er durch die Jahrhunderte hindurch nachvollziehbar ist. Er versteht es, in kurzen, prägnanten Ausführungen nicht nur den geschichtlichen Verlauf aufzuzeigen sondern verbindet diesen mit einer harschen Kritik an die Muslime, welche seiner Ansicht nach ihren Lebensinhalt nach westlichen Normen ausrichten und somit zum Verlust der islamischen Werte beitragen.
Eine verzweifelte Mutter erschiesst den Partner ihrer Tochter auf offener Strasse. Der Ermordete hatte ihre Tochter nach albanischem Ritus geheiratet und verschwiegen, dass er bereits verheiratet war. Wollte die Mutter ihre Familienehre retten oder nur ihre Tochter aus den Klauen ihres gewalttätigen Partners befreien? Hat sie Blutrache geübt? Ein Ehrenmord in der Schweiz?
Der Name des in Bern ansässigen al-waha Verlages (deutsch: die Oase) ist vielen Lesern noch bekannt durch das gleichnamige beliebte Kindermagazin. Dieses wurde zwar 2002 eingestellt, doch die Ziele des Verlages sind die gleichen geblieben: muslimischen Kindern islamische Werte und Lebensinhalte auf einfache und spielerische Weise näher zu bringen. Als Fundament für die Wissensvermittlung dient den Produzentinnen vor allem der Qur’ân und die Sunnah. Allen Texten gehen sorgfältige Recherchen voraus, sie werden anschliessend von Fachpersonen auf ihre theologische Korrektheit überprüft.
Das neue al-waha-Angebot startet mit der Weisheitsgeschichte «Musa & Khidr». Das sehr sorgfältig gestaltete und hübsch bebilderte Buch ist geeignet für Kinder ab ca. 10 Jahren und schildert die ihm Qur’ân erwähnte Geschichte von Musa (a.s.), der von Allah (t.) aufgefordert wird, Khidr, einen Mann mit sehr grossem Wissen, aufzusuchen. Die aussergewöhnlichen Dinge, die Musa bei Khidr erlebt sind ein schönes Beispiel für die Tatsache, 

Die NCBI Schweiz ist ein gemeinnütziger, parteipolitisch und konfessionell neutraler Verein, der sich für den Abbau von Vorurteilen und für konstruktive Konfliktlösung einsetzt. Anlässlich seines 10-jährigen Bestehens setzt sich NCBI Schweiz im Jahr 2005 verstärkt ein, um Vorurteile und Ängste gegenüber Musliminnen und Muslime abzubauen.
Ron Halbright stellte seine Institution kurz vor. Diese sieht sich, wie der englische Name besagt, als Brückenbauer, der sich um den Abbau von Vorurteilen, Diskriminierung und Rassismus bemüht. Nach einer kurzen Vorstellung der wesentlichen Inhalte des Buches, nahmen im Rahmen eines Podiums vier Personen mit unterschiedlichen Hintergrund Stellung zu verschiedenen Aspekten. Rachida Bouchousch, muslimische Studentin der Biologie an der Uni Zürich, berichtete über positive und negative Erfahrungen mit ihrem Kopftuch. Am eindrücklichsten war, als sie mit bewegten Worten schilderte, dass sie meisten ihrer Primar- und Sekundarschullehrer es nicht in Betracht zogen, dass sie ihr Kopftuch freiwillig tragen könnte… Es wurde a priori davon ausgegangen, dass sie dazu gezwungen wird. Niemandem kam es auch nur in den Sinn, sie selbst dazu zu befragen… Ein wahrlich sehr erniedrigendes Erlebnis.
Die Podiumsteilnehmer waren sich darin einig, dass man sich über den Islam informieren und vor allem mit einander sprechen sollte. Im Anschluss an die erste Podiumsrunde wurde in kleineren Gruppen über die Thematik diskutiert und weitere Fragen an die Podiumsteilnehmer formuliert, wobei auch dieses Mal das Thema Kopftuch nicht ausgelassen werden konnte… Interessant waren die Ausführungen von Frau Boser in Bezug auf die Frage, wie die Mütter muslimischer Kinder besser für die Lehrer-Eltern-Arbeit engagiert werden können. Mütterkurse und direktes Ansprechen, auch der Väter, stehen dabei in ihrer Schule im Vordergrund. Kulturvermittler, die von der Stadt Schaffhausen kostenlos gestellt werden, stehen dabei helfend zur Verfügung. Interessant auch die Frage an Mahir Mustafi, wieweit man seine eigene Identität leugnen soll, um ein Ziel zu erreichen, z.B die Zusage für eine Lehrstelle, die man mit Kopftuch nicht erhalten würde. Dies ist jedermann/frau selbst überlassen.
«Qawwâmun ‘alâ» und «wa adribûhunne», diese zwei Ausdrücke welche im 34. Vers der Sura An-Nisa vorkommen sorgen für viel Wirbel unter Muslimen und Nichtmuslimen. Angeblich sollen sie den Vorrang der Männer vor den Frauen belegen und ihnen die Erlaubnis zur körperlichen Züchtigung ihrer Ehefrauen geben. In der Neuzeit, in der das Geschlechterverhältnis und Gewalt in der Ehe nicht nur im Islam dauernd thematisiert wird, beinhaltet diese klassische Interpretation natürlich enormen Zündstoff. Das vom Zentrum für Islamische Frauenforschung und Frauenförderung (ZIF) herausgegebene Buch versucht, durch eine hermeneutische Betrachtungsweise und die kritische Hinterfragung gängiger Übersetzungen und Auslegungen ein neues Licht darauf zu werfen. Dieser Versuch kann durchaus als geglückt betrachtet werden. Jedenfalls gibt das Buch genügend Hinweise, dass das gängige Verständnis nicht das einzig Richtige sein muss.
Im Orell Füssli Verlag ist ein neues Buch mit dem Titel «Religionsführer Zürich» von Claude-Alain Humbert erschienen. Gemäss Pressemitteilung des Verlages handelt es sich um ein umfangreiches Werk, das in 7jähriger Arbeit entstand und 370 religiös-spirituelle Gemeinschaften der Stadt Zürich, von den grossen Kirchen bis hin zu den kleinen unbekannten Vereinigungen beschreibt. Und tatsächlich, auf rund 600 Seiten befasst sich der Autor mit Entstehungsgeschichte, Lehre, Organisation und Verbreitung von Kirchen, Orden, muslimischen, buddhistischen, hinduistischen und anderen religiösen Gemeinschaften, Freikirchen, spirituellen Vereinigungen, Ufo-Bewegungen und viele anderen.
In den vergangenen Monaten wurde in den Medien regelmässig über den Iran berichtet. Anlass dazu gab es mehr als genug. Da war das schwere Erdbeben, das am 26. Dezember 2003 die historische Stadt Bam im Norden Irans praktisch vollständig zerstörte und über 40’000 Todesopfer forderte. Danach folgten am 20. Februar 2004 die Parlamentswahlen, die von den sogenannten «Konservativen» mit deutlicher Mehrheit gewonnen wurden. Vorangegangen waren Proteste von Studenten und ein Sitzstreik der vom Wächterrat ausgeschlossenen Parlamentskandidaten. Selbst eine Ermahnung von Präsident Khamenei nützte nichts, mehrere Tausend sogenannte «reformorienterte» Kandidaten wurden nicht zu den Wahlen zugelassen. Es wurde von einer grossen Enttäuschung in der Bevölkerung berichtet, was sich dann auch in einer relativ niedrigen Wahlbeteiligung von rund 50% niederschlug.
Am 11. September 2001 fand in Zürich die Vernissage zu einem neuen Buch von Philipp Dreyer statt: „Allahs Kinder sprechen Schweizerdeutsch“. Organisiert wurde diese vom Orell Füssli Verlag, dem Herausgeber dieses Buches, das 23 muslimische Jugendliche unterschiedlichster Herkunft porträtiert.